Travemünde Bericht 2005

Ersteinmal wünsche ich allen ein frohes neues Jahr! Ich hoffe ihr seid genausogut reingekommen wie ich.

Am 2. Weihnachtstag um 14:30 Uhr setzte ich mich in meinen Wagen und holte Franz-Ludwig sowie Gero ab. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg den 480km richtung Travemünde(Lübeck) zu trotzen. Guter Dinge juckelten wir also über die Autobahn, allerdings mit sehr gemäßigter Geschwindigkeit - wir hatten es schließlich nicht eilig, weil das Turnier erst am nächsten Tag beginnen sollte.
Bis Hamburg lief auch alles wunderbar, doch dann fing es an zu schneien und wir fuhren den restlichen Weg mit 50km/h weiter.
Macht ja nix, wir hatten schließlich Zeit! Um 21:30 Uhr kamen wir dann auch in unserem Gästehaus an, in dem wir ein Familienzimmer gebucht hatten. Gero und ich machten es uns im Doppelbett bequem und Franz-Ludwig kriegte sein eigenes Zimmer.
Nachdem wir nochmal ein wenig durch die völlig verschneiten Straßen geschlendert waren, gingen wir dann auch langsam zu Bett, wir wollten schließlich morgens fit sein für das Turnier! Nachdem Franz-Ludwig noch munter Schränke verschoben hat und Teppiche zusammengerollt (wir wissen bis heute nicht warum), vernahm man dann auch sehr schnell die Laute eines Sägewerks aus seinem Zimmer...

Nach dem Frühstück, machten wir uns sofort auf den Weg zum Turniersaal und meldeten uns an! Die verbleibende Zeit verbrachten wir noch kurz im naheliegenden Edeka(mit einem schwulen Verkäufer, aber das nur nebenbei).
Um 10 Uhr ging dann die erste Runde los.

Schach

Ich hatte einen recht schwachen Gegner bekommen: 2278 DWZ. Natürlich hab ich mir vorher seine DWZ nicht angeschaut, sonst wär ich womöglich noch nervös geworden.
Ich spielte mich in einen Rausch und stand letztlich im Endspiel mit Turm+Springer+Läufer+7 Bauern gegen Turm+Springer+2Läufer+2 Bauern. Hatte folglich für einen Läufer satte 5 Bauern! Naja, da mir letztlich klar wurde, dass ich hier nicht gegen einen 1900er spiele(es war schließlich Brett 23), kam dann auch die Aufregung über die super Stellung. Wie es dann so läuft machte ich ca. 5 Klozüge nacheinander und spielte letztlich grade noch ums Remis. Dass ging dann auch noch in die Hose und so startete ich mit einer 0 ins Turnier, die mich nach der Stellung schon ein wenig ärgerte...Franz-Ludwig tat es mir gleich und lediglich Gero konnte die Vereinsehre retten und machte immerhin ein Remis gegen einen 2035er!

Die Verschnaufpause nutzten wir, um in unserer Jugendherberge in Lübeck einzuchecken, in der wir die letzten 3 Tage übernachteten.
Um 17 Uhr fing dann die 2. Runde an diesmal gegen einen 1496er. Naja da ich halb am Brett geschlafen habe, stand ich nach der Eröffnung auch schon völlig platt (wann steh ich da schonmal besser?). Irgendwie konnte ich dann das Ruder noch rumreissen und gewann völlig unverdient die Partie. Franz-Ludwig fertigte einen 800er namens Andre mit Hiphopper Mütze ab und erzählte uns davon später immer wieder gerne :-) Gero schnappte sich den nächsten 2000er und zwang ihn mal wieder zum Remis, wahrscheinlich sogar mit Gewinnstellung.
So dann ging es erstmal in unser "zuhause": die Jugendherberge. Wir lieferten allerdings nur kurz die Sachen ab und genemigten uns in der Lübecker Altstadt genauer gesagt im Intermezzo noch ein ortsansässiges Bier namens Duckstein.

schach

Irgendwann um 23 Uhr kamen wir dann in die Jugendherberge und sahen in unserem 6er Zimmer schon eine Person im Bett liegen, diese Person haben wir nie woanders gesehen die folgenden 3 Tage. Weder morgens noch abends - der Schläfer lag grundsätzlich im Bett!
Pünklich wie die Maurer waren auch unsere anderen beiden Freunde - die italienischen Motorradfahrer wie Franz-Ludwig sie nannte. Die kamen immer um 23:30 Uhr hereingepoltert. Ein wenig Schlaf fanden wir dann aber doch noch irgendwann, wenn auch das letzte Sägewerk die Nachtruhe beachtete.

kongresscenter

Die 3. Runde brachte mir einen 2120er und ich wollte den Fehler aus der ersten Runde wieder wett machen. Als ich irgendwann eine Qualle verlor, kämpfte ich weiter wie ein Berserker und konnte sie letztendlich wieder zurückgewinnen und sogar einen Mehrbauern ergattern. Allerdings hatte ich im folgenden Endspiel wieder Angst einen schrecklichen Griff ins Klo zu tätigen und bot somit Remis an, was der Gegner dankbar annahm. Franz-Ludwig remisierte seinen ersten 2000er und Gero musste zum erstenmal aufgeben, obwohl er glaub ich richtig gut stand gegen seinen 1900er!

In der 4. Runde hatte ich zum ersten Mal nicht den Hauch einer Chance, ich spielte zum 2. Mal mit schwarz die Wiener Partie und zum 2. Mal stand ich nach der Eröffnung völlig scheisse. Allerdings hatte der 2097er auch die Technik, um mich gnadenlos zusammen zu schieben. Franz-Ludwig remisierte seinen zweiten 2000er und Gero seinen 1700er.

Kleiner Zwischenstand:
Gero 1,5 Punkte, Franz-Ludwig 2 Punkte und ich 1,5 Punkte.

Auch an diesem Abend machten wir uns wieder auf den Weg in die Stadt, um uns bei einem Bierchen zu entspannen, wiederum ein sehr lustiger Abend. In der Jugendherberge war der Schläfer natürlich schon im Bett und die Rocker ließen nicht lange auf sich warten...

In der 5. Runde hatte ich mir einen vollen Punkt als Ziel gesetzt, aber es kommt erstens anders als man zweitens denkt! Mir saß ein 1500er gegenüber und ich hatte mal wieder weiß und wählte die spanische Eröffnung. Im Mittelspiel stand ich irgendwann recht gut, bis ich nach einem Bauernvorstoß seinerseits völlig scheisse stand und mal wieder ums Überleben kämpfte. Ich wickelte das ganze dann in ein Turmendspiel ab, welches remis war. Mir war völlig klar, dass es remis war, leider war mir völlig unklar, wie man es remis hält. Und so schenkte ich meinem Gegner dann auch sehr schnell einen halben Punkt, um ihm dann hinterher bei der Analyse zu zeigen wie man es remis halten kann. Hmm.
Gero killte dafür sehr schön einen 1700er und Franz-Ludwig musste sich gegen den nächsten 2000er geschlagen geben.



In der Abendrunde hatte ich dann wieder einen 1500er vor mir und hatte natürlich das gleiche Ziel wie am morgen - gewinnen. Ich hatte wieder schwarz und mein Gegner wählte (wie in allen schwarzpartien bis jetzt) die Wiener Partie...Diesmal wählte ich einen mutigeren Ansatz und kam auch sofort unter Druck und Gero hatte die Partie schon für mich abgeschrieben, aber Helden kämpfen bis sie sterben ;-) So wickelte ich auch hier wieder in ein Turmendspiel ab, hatte diesmal aber sogar das Gefühl ich könnte ein wenig besser stehen. Nach einem harten Kampf bis auf die letzten beiden Bauern haben wir uns dann aber letztendlich Remis geeinigt und ich muss sagen, dass war die spannenste Partie des ganzen Turnieres für mich. Gero musste sich gegen einen 2118er geschlagen geben (wobei er fast am Brett eingeschlafen wäre ;-)) und Franz-Ludwig remisierte mal wieder gegen einen 1888er.

Am Freitag fand dann die 7. und damit letzte Runde statt. Mein Gegner kam erstmal eine halbe Stunde zu spät und ich dachte schon, er wäre frühzeitig abgereist. Ausnahmsweise schlug ich aus der Eröffnung mal was positives und gewann nach 8 Zügen eine Figur. Naja der Rest war dann nicht schwer und so konnte ich meinen Puntkstand noch auf 3/7 erhöhen. Gero gewann ebenfalls, wenn auch sehr glücklich wie er selbst sagt und hatte damit die meisten Punkte von uns mit 3,5/7. Dafür dass er als 1400er angereist war eine mehr als gute Leistung! Franz-Ludwig musste sich in der letzten Runde leider geschlagen geben und ging somit mit 2,5/7 Punkten aus dem Turnier!
Die Siegerehrung warteten wir dann nicht mehr ab und beschlossen sofort nach Hause zu fahren. Für Gero wäre es allerdings besser gewesen, wenn wir geblieben wären, denn wie wir später im Internet lasen, gewann er einen Ratingpreis - wie hoch auch immer der dotiert war.

Alles in allem eine super Woche, bei der wir tolle Schachpartien gespielt haben, richtige Granaten vor uns sitzen hatten und dabei gar nicht immer besonders schlecht aussahen! Aber auch die Abende in den Kneipen waren allesamt sehr unterhaltsam.
Mein Fazit: Nächstes Jahr gehts wieder ab nach Travemünde, vielleicht kommen ja dann sogar noch mehr aus unserem Verein mit!

Bericht von Benjamin (3.1.2006)